Stippvisite im Oderbruch - Tourismus mit Chance

27. August 2012 (WELT ONLINE, dpa)

Neulietzegöricke/Groß Neuendorf - In der Sonne glitzern Wassertümpel, ein Schwarzstorch kreist am Himmel und eine Herde Schafe beäugt neugierig die vorbeisausenden Radfahrer. Vorneweg, mit wehendem Jacket: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) . Rund zehn Kilometer sind es zwischen Neulietzegöricke und Groß Neuendorf, die der Regierungschef am diesem sommerlichen Donnerstag zusammen mit einem Tross Journalisten auf elektrisch betriebenen Leih-Fahrrädern (E-Bikes) zurücklegt.

Er will sich selbst ein Bild von den touristischen Perspektiven des Oderbruchs machen, das Preußens Friedrich der Große im 18. Jahrhundert trocken legen und besiedeln ließ. Das E-Bike-Projekt «Sonne auf Rädern» ist ein Beispiel, wie der Landstrich Besucher anzulocken versucht. Betrieben von der Jugendwerkstatt Hönow, will es sowohl Erholungsuchenden in den Fahrradsattel verhelfen als auch eines Tages Geld mit Pendlern verdienen, wie sein Leiter Detlef Grabsch erläutert. Dabei hat er durchaus das nur rund 70 Kilometer entfernt liegende Berlin im Blick.

Ein anderes Beispiel findet sich in Groß Neuendorf, einem Ortsteil Letschins (Märkisch-Oderland). Hier vermietet der freischaffende Architekt Jens Plathe auf einem früheren Hafengelände Ferienwohnungen in einem umgebauten Verladeturm und in historischen Eisenbahnwaggons. Die originelle Unterbringung im Turm mit einer Wohnung über vier Etagen ist Gästen durchaus 180 Euro die Nacht (für zwei Personen) wert beziehungsweise 50 Euro im Waggon mit zwei Betten. Plathe: «Wo mal Getreide umgeschlagen wurde, werden heute Touristen umgeschlagen.»

Platzeck bescheinigt dem Tourismus im Oderbruch gute Aussichten, auch wenn er gewiss nicht allein die Bewohner ernähren könne. Die Menschen hätten in den vergangenen fünf bis sieben Jahren viel kreatives Potenzial entwickelt. Zusätzlichen Schub hätten die Grenzöffnung nach Polen und der Ausbau des Radwegenetzes gebracht. Nach Angaben der Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree, Ellen Rußig, gibt es mittlerweile 390 klassifizierte Ferienwohnungen- und zimmer in der Region. «Es ist eine spät entdeckte Schönheit», bemerkt Platzeck mit Blick auf das Oderbruch.

Das hat in Neulitzegöricke sogar neue «Kolnisten» angezogen. Kornelia und Peter Nagel vermieten in ihrem herausgeputzen alten Haus unter einem leuchtend roten Dach zwei Wohnungen für 25 Euro pro Nacht inklusive Frühstück. «Wir sind zufrieden. Wir schütteln unheimlich viele Betten», erzählt Kornelia Nagel. Sie stammt aus Niedersachsen, ihr Mann aus Berlin.

Bei einem Tag des offenen Denkmals hätten sie sich beide in das damals noch verfallene Gebäude verliebt. «Es ist traumhaft, hier zu leben.» Schon der Alte Fritz hatte zu Beginn rund 7000 Hessen, Württemberger, Sachsen oder auch Schweden für die Besiedlung geholt. Nach der Besichtigung all dieser positiven Tourismus-Beispiele dämpft Letschins Bürgermeister Michael Böttcher jedoch allzu hochfliegende Erwartungen. «Wir sind ein Entwicklungsgebiet, wir sind in einer Randlage.» 

Hier der Link zu WELT ONLINE. Der gleiche Artikel erschien am 23. August 2012 bei BERLIN.de (Das offizielle Hauptstadtportal), hier der Link.

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19.04.2021 - Genießen im Oderbruch

Der Erlenhof im Oderbruch hat sich bei seinen Gästen einen besonders guten Ruf erarbeitet. Seit vielen Jahren aktiver Teil des Netzwerkes Sonne auf Rädern, kommt in seiner Nachbarschaft eine weitere touristische Perle hinzu. Ganz herzlich begrüßen wir als neuen Vermieter Radler’s Hof, der sich direkt am Oder-Neiße-Radweg befindet.

 

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