Entspanntes Strampeln

30. Juli 2013 (MOZ, Redaktion Seelow, Marco Marschall)

E-Bikes sind nur was für Weicheier? Schon möglich. Dafür wird der Seelower Berg mit ihnen zur Bodenwelle. Auf einer Fahrt von Neuhardenberg in die Kreisstadt machte MOZ-Redakteur Marco Marschall den Selbstversuch.

Katrin Suhr ist zufrieden mit der Nachfrage nach den E-Bikes. Schon das zweite Jahr läuft die Aktion des Netzwerkes Sonne auf Rädern auch in Neuhardenberg. An der Tourist-Info stehen die zwei Drahtesel mit Turbo-Antrieb für die Touristen bereit. Insgesamt acht Mal wurden sie schon verliehen. Nachfrage besteht vor allem am Wochenende. Dann zieht es die Besucher des Dorfes vor allem nach Groß Neuendorf. "Das ist abhängig davon, was sie sehen wollen", sagt die Leiterin der Touristinfo. Auf der Strecke über Letschin bis zum Hafen-Örtchen gibt es eine Menge zu sehen. Die Alte-Fritz-Statue und am Ziel schließlich den Töpferhof, das Landfrauen-Café. Außerdem können die Radler beim Verleih "Oderlandrad" den Akku ihres Gefährts nachladen.

Mir geht es beim E-Bike-Test nicht um Sehenswürdigkeiten. Ich will wissen, wie sehr der Radler strampeln muss oder ob das Fahrrad mit Elektro-Unterstützung tatsächlich kaum Muskelkraft benötigt. Deshalb schickt mich Katrin Suhr über den Seelower Berg hinter dem Bahnübergang am Bahnhof Gusow.

Der Bord-Computer am Lenker ist schnell erklärt. Es gibt drei Unterstützungsstufen mit vier Unterstufen. Je mehr Unterstützung, desto weniger Kilometer lassen sich damit zurücklegen. Das Display zeigt die Geschwindigkeit und die gefahrenen Kilometer. Auf meiner relativ kurzen Strecke von knapp 30 Kilometern könnte ich durchweg mit maximaler Unterstützung fahren, ohne zwischendurch aufzuladen.

Schon beim Antritt der erste Tempo-Kick. Egal welchen der sieben Gänge man wählt, man kommt ohne Anlaufschwierigkeiten in Tritt. Der Motor an den Pedalen schiebt ordentlich mit an. Von der Tourist-Info geht es über die B 167 auf die kleine Karl-Marx-Allee, von dort aus auf den straßenbegleitenden Radweg nach Platkow. Schon auf dem Dorfanger wird allerdings schnell klar: Durchweg volle Unterstützung bedeutet mehr Kraftaufwand als ohne. Denn bei 27 Stundenkilometern, die ich mit dem Drahtesel ohne Mühe schnell erreicht habe, schaltet der Motor ab. Katrin Suhr hatte darauf hingewiesen.

Das Fahrrad unterscheidet sich so von Kleinkrafträdern. Wer schneller unterwegs sein will, muss komplett aus eigener Kraft strampeln. Daher - lieber eine Stufe zurückschalten und konstant unter der Höchstmarke bleiben. Langsamer fahren hat ja auch was. Ich nehme die Landschaft viel besser wahr, lasse den Blick übers Kornfeld schweifen und blicke kurz vor Platkow in die Tiefe des hell erleuchteten Forstes. Die Sonne brennt, aber der Fahrtwind kühlt die Haut.

Die Katze am Straßenrand kurz hinter dem Ortseingang Gusow hat die Leichenstrarre schon erreicht und wird von Fliegen umgarnt. Der Anblick lässt mich sogar die Überquerung verpassen, um die Straßenseite zu wechseln und ich fahre ein paar Meter auf der Straße.

Schnell werde ich vom Fahrer eines dunkelgrünen Lieferwagens mit MOL-Kennzeichen lauthals darauf hingewiesen, dass sich ein Radweg auf der anderen Seite befindet. Um mir das mitzuteilen, fährt er extra eine Weile neben mir her, was mir genug Zeit gibt, die Worte zu finden, um mich für den Hinweis entsprechend zu bedanken. Man mag sie nicht, die Radler. Das ist in der City wie auf dem Dorf.

An der Schranke an den Bahnschienen beim Bahnhof Seelow-Gusow muss ich unfreiwillig anhalten. Die Schranke ist unten. Nachdem der Zug durch ist, geht es nun endlich dem berüchtigten Seelower Berg entgegen. Schalte vorsichtshalber wieder auf volle Unterstützung. Von einem Anstieg merke ich somit wenig. Hier zeigt das E-Bike, warum der Radfahrer künftig wohl nicht mehr allzu gern in normale Pedale treten wird. Aufstehen vom Sattel, um den Tritten genug Druck für die Bergetappe zu verleihen, braucht man mit dem Gefährt nicht, sondern kann gemütlich im Sattel sitzen bleiben. Das ganze bei konstanten 26 Stundenkilometer. Der Berg wird zur Bodenwelle auf der Fahrt in die Kreisstadt, in der mich auf meiner Testfahrt nichts hält.

Sofort geht es wieder zurück nach Neuhardenberg. Knapp eine halbe Stunde brauche ich bis zur Tourist-Info und jetzt will ich auch ein E-Bike. "Neupreis so wie sie dort stehen 2500 Euro", sagt Katrin Suhr. Naja gut, vielleicht doch eher Ausleihen: Zehn Euro kosten zwei Stunden, vier Stunden 20 Euro und wer bis zu sechs unterwegs ist zahlt 25 Euro.

Öffnungszeiten der Touristinformation: April bis Oktober Dienstag-Freitag 10.30 bis 16 Uhr. Sonnabend und Sonntag: 11 bis 16 Uhr. November bis März Montag-Freitag 10.30 bis 16 Uhr, Tel. 033476 60477. Infos im Internet auf der Seite www.sonne-auf-raedern.de.

Text und Foto hier im original.

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